
Warum 0,1°C der Unterschied zwischen einem perfekten Rohr und einem kaputten Rohr ist
Wenn Sie schon einmal erlebt haben, dass ein Borosilikat- oder Quarzrohr während des Vakuumziehens zerbricht, wissen Sie, wie frustrierend das ist. Meist liegt der Fehler in kleinen Dingen – nur wenige Grad Temperaturunterschiede reichen bereits aus.
Deshalb setzen wir bei der Bearbeitung von Glas auf Infrarotheizung. Sie ist schnell und präzise – und funktioniert einfach besser.
Die Besessenheit mit 0,1°C
Man fragt sich vielleicht, warum wir uns so sehr um diese Genauigkeit kümmern. Tatsächlich hat Glas einen ganz bestimmten „optimalen“ Temperaturbereich für die Behandlung. In diesem Bereich kann man die inneren Spannungen beseitigen, ohne dass das Glas beschädigt wird.
Wenn die Heizleistung zu hoch ist, bricht das Rohr zusammen. Wenn sie zu niedrig ist, bleiben weiterhin Spannungen im Glas vorhanden. Wir streben daher eine Stabilität von 0,1°C an – dadurch werden „Thermoschocks“ vermieden. Bei dieser genauen Temperatur kann das Glas gleichmäßig erwärmt werden. Es entstehen keine steilen Temperaturgradienten, keine mikroskopischen Risse – und vor allem: keine spontanen Explosionen späterhin.
Die richtige Temperatur einstellen
Wir erhöhen nicht einfach die Leistung und hoffen auf das Beste. Das führt nur zum Desaster. Stattdessen verwenden wir Hochleistungs-Infrarotstrahler sowie ein geschlossenes PID-System, um die Temperatur konstant zu halten.
Der Vorteil der Kurzwellenenergie ist, dass sie nicht nur die Oberfläche des Glases erwärmt, sondern auch tief in das Material eindringt. Doch man muss vorsichtig sein: Die Leistung muss zur Wanddicke des Rohrs passen. Wenn man ein dünnwandiges Rohr mit zu hoher Leistung heizt, schmilzt es einfach. So einfach ist das.
Der „Puffer“-Trick
Bei der Anstrengung nach solcher Präzision gibt es einen Kompromiss. Um die Genauigkeit von 0,1°C zu gewährleisten, kann man die Heizelemente nicht auf maximale Leistung schalten. Wenn man bei 100% Leistung arbeitet, hat man keinen Spielraum mehr. Wir wählen in der Regel eine höhere Spezifikation für die Heizelemente und arbeiten mit etwa 40–60% der maximalen Leistung. Dadurch hat das Steuerungssystem etwas Spielraum. Wenn die Temperatur fällt, kann das System sofort reagieren, ohne Verzögerungen. Wenn die Heizleistung zu gering ist, ist die Erholung zu langsam – das Glas kühlt ungleichmäßig ab, und man ist wieder am Anfang.